Mittelalterliche Stadt Stolzenberg entdeckt
Archäologen haben in der Nähe der Siedlung Zagrody in Westpommern die Überreste der mittelalterlichen Stadt Sławoborze/Stolzenberg entdeckt. Nach Angaben der Forscher wurde die Stadt vermutlich in der zweiten Hälfte des 13. oder zu Beginn des 14. Jahrhunderts gegründet. Aus unbekannten Gründen wurde sie schnell aufgegeben. Dies wird von Upmp.news unter Bezugnahme auf „Polskie Radio“ gemeldet.
Erste Hinweise auf Stolzenberg finden sich in schriftlichen Quellen des 16. Jahrhunderts. In der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts war bereits von Überresten einer „untergegangenen Stadt“ in der Umgebung die Rede.
Konkrete archäologische Belege lieferten erste Sondierungen mit Metalldetektoren in den Jahren 2020 und 2021. Dabei wurden mehr als 400 Metallfunde geborgen, darunter Werkzeuge, Gewandspangen sowie mittelalterliche Münzen.
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Im Jahr 2025 führten die Wissenschaftler geophysikalische Untersuchungen durch. Die Ergebnisse bestätigten nach Angaben der Archäologen eindeutig die Existenz einer planmäßig angelegten Stadt. Auf einer Fläche von rund sechs Hektar, die von Wall und Graben umgeben ist, wurden mehr als 1.500 Anomalien registriert, die auf unterirdische Strukturen hindeuten.
„Ein Teil dieser Strukturen bildet ein regelmäßiges Muster, wie es für nach deutschem Recht gegründete Städte typisch ist“, sagte der Archäologe Piotr Wroniecki von der Stiftung Relicta. In der Mitte sei vermutlich ein Marktplatz erkennbar, umgeben von Parzellen, von denen nur ein Teil bebaut worden sei. Auch der Verlauf einer Hauptstraße zum Stadttor lasse sich nachvollziehen. Der heute noch bis zu 5,5 Meter tiefe Graben sei ungewöhnlich gut erhalten.
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Als mögliche Gründer gelten die brandenburgischen Markgrafen der Neumark, die Stolzenberg als Grenzstadt angelegt haben könnten. Weniger wahrscheinlich sei eine Gründung durch die Bischöfe von Cammin.
Warum die Stadt aufgegeben wurde, ist bislang unklar. „Meist ist es nicht nur ein einzelner Faktor, der zum Niedergang führt“, erklärte Marcin Krzepkowski von der Stiftung. Naturereignisse, veränderte Handelswege oder militärische Konflikte kämen ebenso infrage.
PAP/jc